Bayreuth, Ev.-Luth. Stadtkirche – Chororgel, III/22 – Opus 427

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Magdalenenorgel

Bayreuth Ev.-Luth. Stadtkirche, Chororgel von Johannes Klais Orgelbau 1978, Restaurierung und Erweiterung Vleugels 2014

Aus dem Ars Organi Bericht von Prof. Thomas Rothert:

Im Jahr 1978 erhielt die Kirche eine Chororgel der Firma Klais, die seitlich hängend an der linken Chorwand eingebaut wurde, 11 Register (2 davon zunächst vakant) auf zwei Manualen und Pedal hatte und mit elektrischer Traktur von einem fahrbaren Spieltisch im Chorraum angespielt wurde. Sie fügte sich architektonisch sehr gut in den Kirchenraum ein und nahm mit geflammten Kupferpfeifen in den seitlichen Pedal-Prospektfeldern und im Mittelturm Gestaltungselemente der hinteren großen Orgel auf. Für die zunehmenden Aufgaben der Begleitung der großen Gemeinde vom Chorraum aus entstand der Wunsch, dieses ursprünglich eher zart und obertönig disponierte Instrument lauter und grundtöniger zu machen. Es wurde 1996 von Firma Hey entsprechend umgearbeitet.

Für beide Orgeln bestand der Wunsch nach gegenseitiger Anspielmöglichkeit. Nach vielen Überlegungen der Vergrößerung des vorhandenen zweimanualigen Chororgelspieltisches auf drei Manuale erschien schließlich doch der Neubau eines viermanualigen Generalspieltischs im Chorraum die beste und sauberste Lösung. Die Orgelbaufirma hat dann einen sehr schlanken Spieltisch (fahrbar, ohne eigenes Podest) eingebaut, der den Chorraum optisch nicht belastet und sich gut in das Chorgestühl einfügt. Durch mehrere Anschlüsse im Chorraum ergibt sich eine leichte Versetzungsmöglichkeit des Spieltisches. Die Registerschaltung erfolgt mit traditionellen Wippen. Für die Anspielung der Chororgel vom Spieltisch der Hauptorgel wurde dort eine Schublade mit Registertastern installiert. Die
Setzeranlage und die Funktionen der Schweller sind an beiden Spieltischen bedienbar, wobei mit einer speziellen Schaltung eine Prioritätenregelung
möglich ist.

Mit Blick auf die Realisierung von Werken Neuer Musik und
Möglichkeiten der Orgel-improvisation wurden für beide Orgeln noch weitere
Funktionen eingebaut, die entweder mit Direktschaltern oder über Touchscreens bedient werden können: Handschweller, Winddrosseln, Tastenfessel, Registerfessel, Schwelltrittzuordnungen und Piano-Pedal. Am unteren Spieltisch kommen dazu noch Akkordverschiebung, Transponator, freie Koppelwahl und frei einstellbare Pedalteilung in Bass und Diskant.

Das große und komplexe Projekt ist von der beauftragen Orgelbaufirma mit viel Initiative, stilistischer Erfahrung, handwerklichem Können und mit Sorgfalt und Geduld ausgeführt und zu einem sehr guten Abschluß gebracht worden:

1) Die Steinmeyer-Orgel von 1961 ist denkmalgerecht
wiederhergestellt worden.

2) Beide Orgeln wurden umfassend gereinigt und im Bereich
der Technik und der Elektrik für eine sichere Funktion überarbeitet.

3) Die zusätzlich eingebauten Register fügen sich in beiden Instrumenten optimal in den jeweiligen klanglichen Zusammenhang ein und erweitern die Verwendungsfähigkeit beider Orgeln erheblich.

4) Der neue (fahrbare) Generalspieltisch ermöglicht durch die Altarnähe eine ideale liturgische Mitwirkung des Organisten. Das Zusammenwirken mit im Chorraum aufgestelltem Chor und Orchester ist optimal möglich. Vom unteren Spieltisch lassen sich außerdem die am oberen mechanischen
Spieltisch gefundenen Registrierungen und Spielweisen in ihrer Raumwirkung
ausprobieren und abhören.

5) Die neuen zusätzlichen Spielhilfen öffnen beide Orgeln noch stärker für Werke der Neuen Musik und für Orgelimprovisation.

6) Im Zusammenwirken der beiden Orgeln tun sich neue Klangräume auf, sowohl im Spiel beider Orgeln von einem Spieltisch aus als auch im
Spiel beider Orgeln durch zwei Spieler.

Insgesamt kann festgestellt werden, dass hier – so paradox es klingen mag – die ideologisch unvoreingenommene, den alten Bestand aber konsequent achtende Hinzufügung von Erweiterungen das alte Instrument am sichersten vor Änderungen geschützt hat und hoffentlich auch in Zukunft schützen wird.

KMD Prof. Thomas Rothert
Orgelsachverständiger der Evang.-Luth. Landeskirche von Bayern

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DISPOSITION

Hauptwerk C-g‘‘‘

  1. Harfenprincipal 8’
  2. Rohrflöte 8’
  3. Principal 4‘
  4. Sesquialtera 2f. 2 2/3‘ + 1 3/5‘
  5. Mixtur 3-4f. 2‘

Brustwerk (schwellbar) C-g’’’

  6. Holzgedackt 8’
  7. Rohrflöte 4’
  8. Principal 2’
  9. Quinte 1 1/3’
Tremulant

Auxilliere (neu) schwellbar mit Brustwerk C-g’’’

10. Bourdon 16’
11. Diapason 8’
12. Tibia 8’
13. Gamba 8’
14. Voix céleste 8’
15. Viola 4’
16. Doublette 2‘
17. Progressio 2-4f. 1 1/3’
18. Hautbois 8‘
Tremulant (vorb. f. Auslasstremulant)

Pedal C-f’

19. Untersatz (HO) 32’
20. Subbass 16’
21. Gedacktbass 8’
22. Fagott 8’

Koppeln: 12 Manualkoppeln, 3 Pedalkoppeln, 1 Oktavkoppel Aux. 4’/Pedal

Alle Manualwerke sind beliebig den Klaviaturen I-IV zukoppelbar
Rein elektrische Traktur mit 24 Volt
Stimmung: gleichstufig temperiert mit 440 Hz bei 15°C