Gaibach, Hl. Dreifaltigkeit, I/12 – Opus 317

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Auf den Spuren von Johann Philipp Seuffert in der Kirche zur Hl. Dreifaltigkeit

Gaibach Dreifaltigkeitskirche, Orgel von Johann Philipp Seuffert 1748, Restaurierung Vleugels 1997

Die Pfarrkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit wurde in den Jahren 1742-1745 nach den Plänen von Balthasar Neumann errichtet. 1748 erbaute der Würzburger Bürger und Hoforgelmacher Johann Philipp Seuffert ein Instrument mit 12 Registern.

Der Mittelteil des fünfachsigen Gehäuses wird von einem mächtigen Wappen bekrönt. Vorgegeben durch die außergewöhnliche Gehäusegestalt liegen die getrennten Windladen des Manuals hinter dem Gurtgesims weit auseinander. Der Prospektablauf folgt der geschwungenen Form.

Das Orgelgehäuse ist aus Kiefernholz, ungefaßt, ebenso das aus Linden- und Kiefernholz gefertigte Schnitzwerk. Mittig vor dem Gehäuse steht ein in schlichter  Form gehaltener Spieltisch aus Eichenholz. Rechts und links neben der Manualklaviatur sind die Registerzüge angebracht.

Der erste große Eingriff in die Substanz der Orgel ist in den Anfängen dieses Jahrhunderts zu verzeichnen. In dieser Zeit wurde die Keilbalganlage Seufferts durch einen doppelfaltigen Magazinbalg ersetzt, das Gehäuse wurde verbreitert. Cornet und Viol Gamb 8‘ verschwanden und wurden durch Flöte 4‘ bzw. Gambenpfeifen  weiterer Mensur in Zink ersetzt. Um die Flöte 4‘ unterzubringen, mußte auch der 4. Chor der Mixtur weichen, ebenso verschwand der 2. Chor der Piffera.

1978 wurde die Orgel von der Orgelbaufirma Otto Hoffmann aus Ostheim/Rhön restauriert. Die Windanlage wurde durch einen Ausgleichsbalg ersetzt. Viol Gamb 8‘ und Cornet 4/5‘ wurden rekonstruiert. Die fehlenden Pfeifen von Mixtur und Piffera wurden neu angefertigt. In historischer Anlehnung wurden Manual- und Pedalklaviatur sowie Manubrien erneuert.

1997 wurde die Orgel durch die Orgelmanufactur Vleugels wiederum restauriert. Da eine generelle Rückführung in den Zustand von 1748 aus finanziellen Gründen nicht möglich war, entschied man sich für eine Restaurierung unter Beibehaltung der 1978 vorgenommenen „rekonstruierten“ Elemente. Ziel der Restaurierung war die Erhaltung des originalen Bestandes. Untersuchungen am Pfeifenwerk ergaben eine gleichstufige Stimmung mit einer Tonhöhe von 447 Hz bei 18°C, der Winddruck betrug 74 mm/Ws. Die Luftfeuchtigkeit und Temperatur des Kirchenraumes wurden über einen längeren Zeitraum gemessen, um Schäden vor allem an den Windladen zu vermeiden. Der Mittelwert wurde nach dem Teilausbau der Orgel (das Gehäuse verblieb im Kirchenraum) mittels einer Befeuchtungsanlage in der Werkstatt eingestellt.

Restaurierungsmaßnahmen: Anobienbekämpfung durch Begasung mit CO2, Ausspänen der Risse in den Manualwindladen, Papieren und Beledern der Ventilbahnen, Ersetzen der Messingführungen und –federn  durch eiserne, Überarbeitung der Wellenbretter in historischer Manier. Spieltisch – dieser wurde in seiner technischen Anlage belassen, Übernahme der 1978 eingebauten Manual- und Pedalklaviatur sowie der gedrechselten Manubrien aus Pflaumenholz, Entfernen der Registerschilder aus Kunststoff und Ersetzen durch handbeschriftete Pergamentschilder. Der vorgefundene originale und 1978  rekonstruierte Pfeifenbestand entsprach  der Originaldisposition von 1748; die Stimmrollen der 1978 rekonstruierten Pfeifen wurden zugelötet. Die Register  wurden entsprechend  ihrem Charakter nachintoniert. Am Gehäuse erfolgte vor Ort die Rekonstruktion.

 
 
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DISPOSITION

Manual C, D-c‘‘‘

  1. Principal 8’ vollständig im Prospekt, 78% Sn
  2. Octav 4’
  3. Mixtur 4f. 1‘
  4. Cornet 3f. 4/5‘
  5 Octav 2‘
  6. Quint 3‘
  7. Viol Gamb 8‘
  8. Piffara 8‘ ab f°, 2. Chor ab cs‘
  9. Salicional 8‘
10. Coppel 8‘ C-e‘ Holz, ab f‘ Metall

Pedal C, D-f°, ds°-f° über Oktavkoppel da Pfeifenumfang C, D-d°

11. Subbaß 16‘ Holz
12. Octavbaß 8‘ Holz

feste Pedalkoppel